50.000 Mann und 15.000 Pferde

Zum hundertjährigen Jubiläum der Rheinquerung wurde 1913 auf Initiative und mit Exponaten des glühenden Blücherverehrers Werner Teschenmacher aus Bad Ems im Vorderhaus des ehemaligen Gasthauses „ Zur Stadt Mannheim“ ein Museum eingerichtet.

Marschall Vorwärts“ machte seinem Namen in der ersten Januarwoche des Jahres 1814 alle Ehre: Unter seinem Kommando überquerten innerhalb von nur fünf Tagen rund 50.000 Soldaten, 15.000 Pferde und 182 Geschütze der Schlesischen Armee von Kaub aus den Rhein und drängten im weiteren Verlauf ihres Vormarsches die nach der Völkerschlacht bei Leipzig geschwächten napoleonischen Truppen immer weiter zurück. Gebhard Leberecht von Blücher, der als Marschall Vorwärts in die Geschichtsbücher eingegangen ist, trug somit wesentlich dazu bei, dass das Königreich Preußen beim Wiener Kongress zu den Siegermächten gehörte.

Diorama des Rheinübergangs bei Kaub 1814Blücher war am Silvestertag 1813 gegen vier Uhr nachmittags in Kaub eingetroffen, wo er im Gasthof „Zur Stadt Mannheim“ sein Hauptquartier aufschlug. Er residierte in den prachtvollen Privaträumen von Familie Kilp, der das Gasthaus gehörte. Johann Daniel Kilp (Kommerzienrat) hatte das vornehme, aus 11 Achsen bestehende Barockpalais vom kurpfälzischen Hofbaumeister Franz Wilhelm Rabaliatti – er war Schüler Alessandro Galli di Bibienas – 1780 errichten lassen. Es wurde 1792 durch eine hufeisenförmige Hofanlage ergänzt, die man teilweise in den Schieferfelsen hineinbaute. Dort waren Speicher, Lagerräume und Pferdeställe untergebracht. Im Gasthof „Zur Stadt Mannheim“ übernachteten vor allem Schiffer, die darauf warteten, die Zollstation Kaub passieren zu dürfen. Zum hundertjährigen Jubiläum der Rheinquerung wurde 1913 auf Initiative und mit Exponaten des glühenden Blücherverehrers Werner Teschemacher aus Bad Ems im Vorderhaus des ehemaligen Gasthofes ein Museum eingerichtet. Die Ausstattung der Räume, darunter auch wertvolle Leinwandtapeten, Kachelöfen und Möbel, blieben zu einem großen Teil erhalten.

Das Blüchermuseum ist jedes Jahr Ziel von mehreren Tausend Besuchern. Das Eintrittsgeld fließt der Stadt zu, denn sie ist Trägerin des Museums. Um die kaputten Dächer zu reparieren, stellten das rheinland-pfälzische Landesdenkmalamt und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) 2006 je 75.000 Euro zur Verfügung. Von 2009 bis 2013 wurde das Blüchermuseum umfangreich saniert und renoviert.

Das Blüchermuseum konnte sich seit seiner Gründung am 17. Januar 1913 vor 100 Jahren nur halten, weil sich Menschen mit viel Engagement für seine Bewahrung eingesetzt und sehenswerte Exponate zusammengetragen haben: von einer Tabaksdose, einem rechten Handschuh und anderen persönlichen Gegenständen Blüchers, über Ringe mit der Aufschrift „Gold gab ich für Eisen“, die preußische Patrioten während der Befreiungskriege mit Stolz trugen, bis zu einer Sammlung von Militaria aus dieser Zeit. Und schließlich kann man anhand eines Zinnfiguren-Dioramas nacherleben, wie die Schlesische Armee unter dem Kommando des Marschalls Vorwärts über den Rhein bei Kaub setzte.

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